Sach ma, wieso macht unsa Fritzken Negamusik? Der Oppa macht den Jungen noch ganz bekloppt,
wenna imma erzählt, dassa mitten U-Boot vom Kaisa direkt bis im Puff von New Orleans gefahn is. Woll?


Die Perle lernt dann, was Sex ist... Jungs, die an den Ufern der Emscher geboren werden, können keine Baumwolle pflücken. Sie können sich auch nicht mit dem Maultier plagen und sie können nicht nach drei Monaten von der Schule abgehen. Der Weg nach New Orleans ist weit.

Dafür kennen sie mit 12 Jahren alle Telefonnummern und sie wissen, wo die besten Mädels der Stadt hinter den roten Scheiben stehen. Sie tragen grundsätzlich nur noch lange Hosen, nehmen keinen Nachtisch mehr und dürfen abends lange aufbleiben. Sie üben "Mojo working" auf Opa's Gitarre im Hühnerstall und sie bringen mit ihrer präzisen Kenntnis über "Major 7"-Akkorde den Blockflötenunterricht von Fräulein Sperlbaum an den Rand des Abbruchs.

Etwas später dann sammeln sie alles, was mit Rhythm & Blues in Verbindung steht und schon früh wissen sie, wie ein Fender-Katalog riecht. Der Geruch aus dem Proberaum - also Frittenfett, abgestandenes Bier, schwarze Zigaretten und eine Spur Hühnerscheiße - begleitet sie überall hin. Für die erste echte Fender "Strat" treten sie in die Partei von Opa ein und nach der Aufforderung im Jugendgottesdienst "Spielt dem Herrn ein neues Lied" weiß der Herr Pastor, was Angina Pectoris ist.

Schnell werden sie zum ersten Mal wegen eines Anderen von ihrer "Perle" verlassen. Die Perle lernt dann, was Sex ist, die Jungs von der Emscher lernen, was Blues ist. So einfach ist das.


Buddy Wencker


Der Vater war Rhythmus, die Mutter war Melodie. Sie hatten zwei Söhne. Den einen, brav und folgsam, mit starker Bindung zur Religion, nannten sie Gospel. Seinen Bruder jedoch, wild, unbeugsam und melancholisch zugleich, immer "on tour" und mit starkem Hang zur nächsten Kneipe, den nannten sie Blues.

Buddy Wencker
Der Blues ist der Ursprung aller Musik. Er ist die Wurzel...
Blues ist unter uns, seit es die Welt gibt. Seit Männer und Frauen sich lieben und sich trennen, gibt es den Blues.


John Lee Hooker